IGS Herrstein-Rhaunen besucht die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ-Hinzert

Veröffentlicht am: 16.05.2022

Einlösung des Gewinns von der Azubimesse Idar-Oberstein

Anlässlich der Azubi- und Jobmesse 2021 in Idar-Oberstein hat das Bildungsnetzwerk Hunsrück-Hochwald ein regionales Quiz veranstaltet. Joel Görg aus der Klasse 9c der IGS Herrstein-Rhaunen hat im Spiel gepunktet und mit etwas Glück die Spende von 500 € für die Fahrt zu einem regionalen Lernort gewonnen. Ermöglicht wurde der Ausflug durch die Spende der Raiffeisenbank Nahe eG. Toll, dass seine Mitschüler*innen auch davon profitieren konnten und diesen wichtigen Lernort besucht haben.

Eindrucksvoll präsentiert sich das imposante, rostfarbene Dokumentationsgebäude der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ-Hinzert den Schüler*innen bei Ankunft. Wie im Laufe der Führung berichtet, wollte der Architekt damit einen eindrucksvollen Bau an diesem Ort schaffen, der im krassen Gegensatz zum idyllischen Umfeld steht. Kaum vorstellbar, welche Verbrechen gegen die Menschlichkeit an diesem Ort begangen wurden.

Um den Schüler*innen zu vermitteln, was genau hier während des Nazi-Regimes passiert ist, teilen sich die Klassen zunächst in zwei Gruppen auf. Der Rundgang durch die Gedenkstätte und über das Außengelände wird mit Fotos, Lageplänen, Informationen und Hinweisen der Guides, untermauert. Besonders eindrücklich ist eine Aufgabe, die gemeinsam mit den Mitarbeiter*innen der Gedenkstätte durchgeführt wird: Verschiedene Gegenstände, die ein Symbol für den Aufenthalt, den Alltag und die Demütigungen gegenüber den Häftlingen darstellen, werden kommentiert und erläutert.

Da ist zum Beispiel ein Rasierapparat – ein Schüler erkennt schnell, dass den Häftlingen bei Ankunft alle Körperhaare entfernt wurden. Es findet sich ein Brief, der von einem Insassen an seine Angehörigen geschrieben wurde. Auch ein Hundehalsband ist dabei. Die Wärter hatten häufig Hunde bei sich. Deren Bellen, so berichten Zeitzeugen, hallte noch Jahre psychisch nach. Besonders irritierend: ein Stück Dachpappe, an dem Insassen nagten und lutschten, da sie vor Hunger kaum mehr in der Lage waren, die ihnen auferlegte Zwangsarbeit durchzuführen. Viele Beispiele werden genannt, wie den Menschen das Leben tagtäglich zur Hölle gemacht wurde.

Aber während des rund 3-stündigen Aufenthalts wird auch von der Solidarität der Häftlinge untereinander berichtet. Das soll u.a. auch das Mahnmal auf dem Geländer darstellen, drei abstrakte Figuren, einander zugewandt. Es steht für Menschlichkeit, Frieden, Gerechtigkeit.

Die Schüler*innen erfahren auch etwas über die Herkunft der Inhaftierten, überwiegend Männer luxemburgischer und französischer Herkunft aus dem Widerstand. Zum Abschluss dürfen alle, die sich äußern mögen, in einem Feedback ihre Eindrücke schildern.

Die begleitenden Lehrkräfte und Carmen Grasmück vom Bildungsnetzwerk Hunsrück- Hochwald sind sich einig: die Gedenkstätte stellt einen wichtigen regionalen Lernort zur politischen Bildung dar und sie empfehlen diesen weiter. Über die Webseite der Gedenkstätte gibt es Material für das pädagogische Personal zur Vor- und Nachbereitung und auch didaktische Hinweise sowie digitale Angebote.

Das Bildungsnetzwerk Hunsrück-Hochwald ist ein Projekt des Regionalentwicklung Hunsrück- Hochwald e.V., der Anfang 2016 gegründet wurde. Der Verein hat sich die strukturelle und wirtschaftliche Stärkung der Nationalparkregion zum Ziel gesetzt. Dafür regt er eigene Projekte an, wie etwa die Erstellung des Masterplans Regionalentwicklung, das Bildungsnetzwerk Hunsrück-Hochwald oder eines Aktionsplans Bike. Der Verein unterstützt aktiv die integrierte ländliche Entwicklung sowie gemeinsame Initiativen bei der Projektumsetzung und Akquise von Fördermitteln für die gesamte Region. Aktuell hat der Verein etwa 20 Mitglieder: neben Landkreisen, Kommunen und Städten befinden sich darunter auch weitere Institutionen und Vereine, aber auch Unternehmen und Privatpersonen.