Umbau der Vereinshalle ist für Oberreidenbach das wichtigste Projekt

Veröffentlicht am: 22.09.2025
Kreisbereisung Oberreidenbach

Für die Vertreter der Ortsgemeinde Oberreidenbach steht derzeit ein Vorhaben ganz oben auf der Agenda: der Umbau beziehungsweise Neubau der Vereinshalle. Entsprechend ausführlich stellten sie Landrat Miroslaw Kowalski bei dessen Besuch die Pläne vor.

Darüber hinaus erhielt er Einblicke in weitere Entwicklungen des 585-Einwohner-Dorfes, dessen Bürgermeisterposten seit Juli vakant ist. Nach dem Ausscheiden von Margot Klaar führt aktuell der Erste Beigeordnete Heiko Gehres kommissarisch die Amtsgeschäfte. Er begrüßte den Landrat gemeinsam mit dem weiteren Beigeordneten Sascha Hahn, den Ratsmitgliedern Carsten Weber, Jörg Ritter, Tabea Becker-Frech sowie Stefan Glessner, dem Vorsitzenden der Vereinsgemeinschaft.

Ausgangspunkt des Rundgangs war das bisherige Feuerwehrgerätehaus. Zwar verfügt die Feuerwehr Oberreidenbach-Sienhachenbach mit 26 Aktiven über eine erfreulich starke Mannschaft und darüber hinaus auch über eine engagierte Jugendarbeit im gemeinsamen Ausrückebereich 4 (mit Sien, Sienhachenbach, Mittelreidenbach und Schmidthachenbach), doch sind die Platzverhältnisse im bisherigen Gerätehaus sehr beengt und die Hanglage der Wache stellt die Mittglieder der Freiwilligen Feuerwehr insbesondere in den Wintermonaten vor Herausforderungen – wie sich Kowalski vor Ort selbst überzeugen konnte.

Eine Lösung könnte der geplante Umbau der Vereinshalle bieten, die eine weitere Station des Rundgangs war. Das Anfang der 1970er-Jahre errichtete Gebäude mit Bühne, Ausschank, Küche und Nebenraum wird dank des regen Vereinslebens in Oberreidenbach weiterhin gut genutzt. Das gilt zum Beispiel für den Musikverein und den Turn- und Sportverein mit seinen zahlreichen Angeboten, die von Yoga bis zur Seniorengymnastik reichen. Auch die im Ort ansässige Grundschule nutzt die Halle für viele schulische Veranstaltungen.

Der Sanierungsbedarf des Gebäudes ist aber unübersehbar und beschränkt sich nicht nur auf die alte Gasheizung. Das macht die Vermietung für private Feiern – zum Beispiel Hochzeiten oder Geburtstage – zunehmend schwieriger, ja fast unmöglich.

Die Gemeinde möchte die Halle deshalb zu einem Multifunktionsgebäude weiterentwickeln. Dafür soll ein Teil des Altbaus saniert werden und parallel dazu ein Anbau neu errichtet werden. Neben der bisherigen Nutzung als Veranstaltungs- und Übungsstätte könnten in diesem Gebäudekomplex nach dem Abschluss der Arbeiten auch der Gemeindebauhof und die Feuerwehrgarage ihren Platz finden.

„Eine sinnvolle und nachhaltige Überlegung“, urteilte der Landrat. Denn die Halle mit ihrem Umfeld – Spielplatz, Grillhütte, Boulebahn und Kleinspielfeld – ist schon heute ein zentraler Treffpunkt im Dorf. Hier wird unter anderem beispielsweise im Juni die Dorfkirmes gefeiert. Zudem führt das kürzlich eröffnete Radwegstück zwischen Mittelreidenbach und Oberreidenbach direkt an der Halle vorbei. Denkbar wäre hier deshalb auch eine öffentliche WC-Anlage am neuen Gebäude.

Zwar verfügt die Gemeinde noch über ein Rücklagenpolster, was die mögliche Verwirklichung des Umbauprojekts erleichtert. Bei einem geschätzten Investitionsaufwand von mindestens 3 Millionen Euro wird die Gemeinde nach Aussage der Beigeordneten Gehres und Hahn ihr Erspartes aber voraussichtlich komplett aufbrauchen, wenn das Vorhaben tatsächlich umgesetzt wird. Um es in Angriff zu nehmen, ist jedoch ein möglichst hoher Zuschuss des Landes aus dem Topf des sogenannten Investitionsstocks eine entscheidende Voraussetzung, ergänzten die Lokalpolitiker.

Als Hindernis sehen sie bislang die Vorgaben der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, die für die Zuschussbewilligung zuständig ist. Die Landesbehörde hält nach eigenen Berechnungen die von den Oberreidenbachern geplante Variante für zu groß. Die von der ADD vorgegebene Größe der gesamten Veranstaltungsfläche entspricht ungefähr der Größe unserer jetzigen Bühne. Das ist für unsere Anforderungen nicht praktikabel“, betonte Gehres und nannte als Beispiel den Platz, der bei größeren Veranstaltungen wie den Konzerten des Musikvereins für die Akteure und die Zuhörer nötig ist. Die Gemeinde hoffe daher auf ein Entgegenkommen der ADD.

Neben den Umbauplänen berichteten die Gemeindevertreter auch von der guten Infrastruktur in Oberreidenbach. Dort gibt es nicht nur zwei Kirchen, sondern auch noch zwei geöffnete Gaststätten. Hinzu kommen mehrere Firmen, die vor allem im Gewerbegebiet angesiedelt sind.

Was die Nahversorgung mit Lebensmitteln angeht, könnte aus Sicht der Lokalpolitiker die Aufstellung eines Automaten eine Alternative sein. Hier regte Miroslaw Kowalski an, dass die Oberreidenbacher Kontakt mit der VG-Verwaltung in Birkenfeld aufnehmen. Dort wurden nämlich zuletzt in drei Orte Verkaufscontainer mit dem Namen „Emma“ aufgestellt.

Ein solches Projekt könnte in Oberreidenbach auch deshalb infrage kommen, weil seit der Eröffnung des neuen Radwegstücks der Radfahrverkehr im Ort deutlich zugenommen hat. Dieser Lückenschluss für eine autofreie Strecke in Richtung Lautertal sei absolut begrüßenswert, betonten die Gemeindevertreter. Ratsmitglied Jörg Ritter mahnte aber an, dass bei der Vermarktung der Radwege im Kreis Birkenfeld noch Luft nach oben sei und das Radwegenetz an einigen Stellen noch verbessert werden müsse.

Diesbezüglich wies der Landrat darauf hin, dass der Kreis zurzeit gerade ein neues Radverkehrskonzept erarbeitet und die Bürger daran beteiligt werden, indem sie noch bis zum 15. September über die Homepage der Kreisverwaltung ihre Vorschläge einbringen können.

Auch die politische Zukunft des Dorfes war Thema: Da sich bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist am 8. September kein Kandidat für das Amt des Ortsbürgermeisters gemeldet hatte, fällt auch die Urwahl durch die Bürger aus. Stattdessen wird der Gemeinderat bis Ende des Jahres einen neuen Ortschef wählen.

Zum Abschluss seines zweieinhalbstündigen Besuchs zog Landrat Kowalski ein positives Fazit: „Oberreidenbach ist eine Gemeinde, die finanziell auf gesunden Füßen steht und viel Potenzial hat.“ Mit Blick auf die Umbaupläne der Vereinshalle zeigte er sich zuversichtlich: „Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Gemeinde ihr wichtigstes Zukunftsprojekt erfolgreich umsetzen kann.“

Bildunterzeile:

In der Vereinshalle erörterten Landrat Miroslaw Kowalski (2. von links) und die Oberreidenbacher Gemeindevertreter, wie die Zukunft dieses Gebäudes aussehen könnte (von links): Ratsmitglied Jörg Ritter, Stefan Glessner, der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft, die Ratsmitglieder Tabea Becker-Frech und Carsten Weber, der Beigeordnete Sascha Hahn und der Erste Beigeordnete Heiko Gehres. Foto: Axel Munsteiner/Kreisverwaltung Birkenfeld