Landrat zu Besuch: Verjüngter Rat will Kempfeld voranbringen
Mit dem Nationalparktor an der Wildenburg und dem inzwischen vom Land betriebenen Wildfreigehege verfügt die Ortsgemeinde Kempfeld über eine der bedeutendsten Freizeiteinrichtungen im Landkreis Birkenfeld. Auch der benachbarte Aussichtsturm auf der Wildenburg und das WasserWissensWerk an der Steinbachtalsperre im Ortsteil Katzenloch sind beliebte Ziele für Tagesausflügler.
Bei der Stippvisite in Kempfeld im Rahmen seiner Sommertour richtete Landrat Miroslaw Kowalski den Blick jedoch nicht nur auf diese touristischen Aushängeschilder. Im Gespräch mit den Gemeindevertretern erfuhr er auch, welche weiteren Stärken der 770-Einwohner-Ort zu bieten hat – und vor welchen Herausforderungen er steht.
Am Treffen mit Ortsbürgermeister Heiko Kempf, den Beigeordneten Anja Jungbluth und Christian Lindecke sowie den Ratsmitgliedern Fred Remuta und Bastian Allenbacher nahmen mehrere Themen breiten Raum ein. Besonders im Fokus stand dabei die infrastrukturelle Ausstattung der Gemeinde.
Seit seiner Eröffnung im Jahr 2017 hat sich das neue Bürgerhaus zu einem zentralen Treffpunkt entwickelt. „Praktisch jeden Tag sind dort drei Gruppen aktiv“, berichtete Ortschef Kempf und verwies auf den vollen Belegungsplan. Neben den örtlichen Vereinen nutzen auch Privatpersonen das Haus gerne für Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage.
„Zu diesem sehr schönen Bürgerhaus kann man euch nur gratulieren“, betonte Landrat Kowalski und lobte die Vielseitigkeit und Funktionalität des Gebäudes. Zuvor hatte ihm Kempf unter anderem davon berichtet, wie schnell man bei der diejährigen Dorfkirmes reagieren konnte, als ein Gewitter mit Starkregen aufzog. „Innerhalb von ein paar Minuten haben wir an diesem Tag alles von draußen rein ins Trockene gebracht und konnten unbeschwert weiterfeiern“, berichtete der Ortschef.
Die Investition in das Bürgerhaus hat jedoch die finanziellen Spielräume der Gemeinde eingeschränkt. Der Haushalt lässt sich aktuell nicht ausgleichen. Als mögliche Einnahmequelle wird daher die Errichtung einer Freiland-Photovoltaikanlage auf einer 30 Hektar großen Fläche geprüft – in direkter Nachbarschaft zum bestehenden Solarpark in Bruchweiler.
„Es sind noch einige andere Ideen da, um den Ort weiterzuentwickeln“, so Kempf. Nach der Kommunalwahl 2024 hat sich der zwölfköpfige Gemeinderat deutlich verjüngt, zudem ist er zur Hälfte mit Frauen besetzt. „Bei uns wird die Quote also erfüllt“, freute sich die Beigeordnete Anja Jungbluth.
Zwei konkrete Projekte sind die Sanierung der Giebelseite am Feuerwehrgerätehaus und der Bau einer neuen Grillhütte neben dem Bürgerhaus. Um diese Vorhaben zu finanzieren, hat die Gemeinde eine Spendenaktion gestartet und beim Landrat um Unterstützung aus dem sogenannten „Landratstopf“ erbeten. Kowalski sicherte zu, die Möglichkeit prüfen zu lassen, bat jedoch um einen schriftlichen Antrag mit genaueren Projektinformationen und einer Kostenschätzung.
Gerade für Familien mit Kindern ist Kempfeld interessant. Im Ort befindet sich nicht nur eine Kindertagesstätte, sondern auch eine Grundschule. Auch das Vereinsleben kann sich sehen lassen. Die Spielvereinigung Wildenburg ist nicht nur im Fußball, sondern auch in anderen Breitensportarten von Tanz über Gymnastik bis hin zum Kickboxen aktiv. Der Kempfelder Karneval Klub (KKK) sorgt für närrischen Frohsinn. Auch der Heimatverein, der Gesangverein, die Frauenhife, die Dorfleben-AG und eine Boulegruppe bereichern das Dorfleben.
Auch einige Betriebe sind im Ort ansässig, darunter zwei Malerbetriebe und eine freie Tankstelle. Gleichzeitig hat Kempfeld in den vergangenen Jahren aber schmerzhafte Verluste hinnehmen müssen: Zwei Bäckereien haben binnen kurzer Zeit geschlossen. Gleiches gilt für die Metzgerei Leyser. Die Volksbank hat ihre Filiale in Kempfeld bereits vor einigen Jahren aufgegeben, und die Kreissparkasse ist lediglich noch mit einem SB-Container vor Ort vertreten. Auch die Gastronomie ist nach der Schließung des „Hunsrücker Fasses“ eingeschränkt, eine willkommene Einkehrmöglichkeit bleibt jedoch bei schönem Wetter die Gartenwirtschaft im Ortsteil Katzenloch.
Große Erwartungen verbinden die Kempfelder mit der Weiterentwicklung des Nationalparktors an der Wildenburg. Der neue Spielplatz befindet sich derzeit im Bau, zudem ist dort vom Land ein Gastronomiebereich für bis zu 150 Gäste geplant. „Das wäre ein großer Gewinn, der unseren Ort noch attraktiver macht“, betonte Kempf.
Mit Sorge blicken die Verantwortlichen hingegen auf den geplanten Ausbau der durch den Ort führenden Landesstraße. Angesichts der Erfahrungen mit der aktuellen Vollsperrung in Tiefenstein fürchtet man in Kempfeld, während der Bauphase von der Außenwelt abgeschnitten zu werden. „Das könnte nicht nur die Ansiedlung neuer Firmen erschweren, sondern auch bestehenden Betrieben wie der Tankstelle erheblich schaden“, warnte Ortschef Kempf.
„Ich kenne den Ort zwar schon von einigen früheren Besuchen, habe heute aber viel Neues erfahren. Mein Treffen heute zeigt mir, dass es hier viele Menschen gibt, die für Kempfeld kämpfen und die Gemeinde voranberingen wollen. Das finde ich klasse“, lautete das Resümee des Landrats nach seinem zweieinhalbstündigen Aufenthalt.
Bildunterzeile:
Für den Bau einer neuen Grillhütte in Kempfeld gibt es eine Spendenbox. Diese holten die Erste Beigeordnete Anja Jungbluth, Ratsmitglied Fred Remuta, Ortsbürgermeister Heiko Kempf, Ratsmitglied Bastian Allenbacher und der Zweite Beigeordnete Christian Lindecke (von links) beim Fototermin mit Landrat Miroslaw Kowalski (3. von links) beim Treffen vor dem Bürgerhaus mit aufs Bild. Foto: Axel Munsteiner/Kreisverwaltung Birkenfeld