Landrat in Siesbach: Aktives Dorf setzt auf erneuerbare Energien
Obwohl die seit 2010 angestrebten Erträge aus erneuerbaren Energien immer noch auf sich warten lassen, bilanzierte der Siesbacher Ortsbürgermeister Klaus Mildenberger bei der Kreisbereisung von Landrat Miroslaw Kowalski: „Wir sind zufrieden und beklagen uns nicht.“ Auch nicht über die Umlagenbelastung, die „extrem hoch“ ist, wie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Birkenfeld, Matthias König, einräumte.
Als aktives Dorf mit einer guten Kommunikation untereinander, das „bedingt handlungsfähig“ sei und sich den Herausforderungen stelle beschrieb der „OB die 360-Seelen-Gemeinde. Deren Rückgrat sind die Vereine und Gruppen. Überregional Bekanntheit erlangte Siesbach durch den Turnverein, dessen Handballer einst in Deutschlands zweithöchster Spielklasse mitmischten. Heutet bietet er neben der Zugehörigkeit zur HSG Obere Nahe jeden Dienstag sanften Sport unter dem Motto „Siesbach bewegt sich“ an. Im Vorfeld der 700-Jahr-Feier 1984 gründeten sich der Männergesangverein/Frauenchor und der Heimatverein. Als „Aushängeschild“ pries Mildenberger die Freiwillige Feuerwehr. Zudem erwähnte er die „AG Mittagstisch“, die einmal im Monat 40 bis 70 Mitbürger bewirtet, und die Rentner-Arbeitsgruppe, die unter anderem um die Pflege der Grillhütte im Wald am Römergrab kümmert.
Stolz ist das Dorfoberhaupt auf das von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz betreute Projektgebiet Schmetterlingswiesen, das rund 50 Hektar umfasst, wovon die Gemeinde gut die Hälfte beisteuert. Bewirtschaften wollen es Holger und Claudia Conrad, die den letzten Bauernhof im Ort betreiben. „Wir nehmen der Natur und geben der Natur“, lautet die Devise.
Früher war Siesbach ein Dorf von Schleifern, die fast alle Nebenerwerbslandwirte waren, um über die Runden zu kommen: „Den kargen Böden haben unsere Vorfahren alles abgerungen.“
600.000 Euro soll der zweite Bauabschnitt des Neubaugebiets Vor Zoelbaum kosten, wo die Gemeinde sechs der neun Grundstücke besitzt. Sehr kostengünstig bietet sie die letzten drei Bauplätze aus dem ersten Abschnitt an, die aufgrund der Hanglage noch nicht vermarktet werden konnten. Dass es derzeit nur einen Leerstand gibt, unterstreiche die Attraktivität des Dorfs, merkte Kowalski an.
Hochwasserschutzmaßnahmen sind notwendig, aber ohne Einnahmen aus der Windkraft nicht umsetzbar, ließ die Ortsspitze durchblicken, die mit einer baldigen Genehmigung von drei Anlagen rechnet, wofür noch naturschutzfachliche Fragen zu klären sind. Ursprünglich sollten sich auf der Gemarkung sogar sechs Rotoren drehen. Der aktuelle Zeitplan sieht für Herbst 2025 Rodungsarbeiten und für Frühjahr 2026 den Baubeginn vor. Nicht nur Siesbach, sondern auch den umliegenden Gemeinden Leisel, Mackenrodt und Wilzenberg-Hußweiler winken jährlich fünfstellige Einnahmen. „Das Thema hat fast zu einer Spaltung des Dorfs geführt“, weiß Mildenberger: „Aber eine breite Mehrheit steht dahinter.“ Zur Energiewende sollen auch Photovoltaikanlagen beitragen und obendrein die angespannte Haushaltslage verbessern: „Unsere einst stattliche Rücklage schrumpft zusehends.“ Allerdings führte die Entdeckung einer wertvollen Magerwiese zur Verkleinerung der dafür geeigneten Potenzialfläche auf 19 Hektar.
„Die Dorferneuerung hat uns ermöglicht, unsere Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen“, betonte Mildenberger. Obendrein entstand im Umfeld des Gemeinschaftshauses ein „Treffpunkt der Generationen“ mit dem Spielplatz, dem Boulefeld und dem Grill-Backes, den Siesbacher Bürger für private Veranstaltungen mieten können. Regelmäßige Nutzung erfährt der ein Eigenleistung gebaute Backofen durch die Dorfschänke, die samstags eine vorzügliche Pizza zubereitet, die sich viele Einheimische und Auswärtige gerne schmecken lassen.
2018 musste sich die Kommune von der Idee verabschieden, eine Wohngruppe für acht bis zwölf Senioren einzurichten. Sorgen bereitet die Zukunft der Nikolauskirche nach der Fusionswelle im evangelischen Kirchenkreis.
Vor dem mustergültigen ehrenamtlichen Engagement, das die Realisierung etlicher großer und kleinerer Maßnahmen erleichterte, zog der Landrat seinen Hut und nannte als weiteres Beispiel das Feuerwehrgerätehaus.
Bildunterzeile:
Nicht nur Einheimische lassen sich die Pizza aus dem Grill-Backes in Siesbach schmecken, betonte Ortsbürgermeister Klaus Mildenberger bei der Kreisbereisung von Landrat Miroslaw Kowalski. Foto: Kreisverwaltung Birkenfeld/Karsten Schultheiß