Interaktive Umweltbildung: Grünes Licht für Lehrpfad am AWZ Reibertsbach

Veröffentlicht am: 17.03.2026
Deponie Reibertsbach

Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums (AWZ) Reibertsbach ein Lehrpfad entstehen, mit dem der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Nationalparklandkreises Birkenfeld einen Beitrag zur Umweltbildung leisten will. Der Werksausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung der Konzeption für den geplanten außerschulischen Lernort zugestimmt und erste Maßnahmen zur Umsetzung des Projekts beauftragt. In einem weiteren Tagesordnungspunkt standen die Aufwendungen zur Nachsorge der früheren Hausmülldeponie bei Reichenbach im Mittelpunkt.

Carmen Grasmück – beim AWB zuständig für Umwelt- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig – stellte den Werksausschussmitgliedern die Vorschläge der Agentur Imago 87 GmbH aus Bayern vor, die nach dem einstimmigen Beschluss des Gremiums nun zeitnah verwirklicht werden sollen. Um Kinder und Jugendliche für die Themen Abfallvermeidung und richtige Mülltrennung zu sensibilisieren, sollen auf dem Weg vom Wertstoffhof und dem neuen AWZ-Verwaltungsgebäude zur früheren Deponie Reibertsbach insgesamt sechs Informationsstationen eingerichtet werden.

Dabei sollen interaktive Installationen zum Einsatz kommen. Dafür werden Abfalltonnen aufgestellt, auf deren Deckel-Innenseiten sich kurze und prägnante Textinfos und ein QR-Code befinden. Letzterer lotst die jungen Besucher des Lehrpfads und deren Betreuer zu einer App, die eigens für das Projekt entwickelt werden soll und vertiefende Zusatzinformationen zur jeweiligen Station liefert und Mitmachelemente wie zum Beispiel ein Quiz rund ums Thema Abfall enthalten soll.

An den Stationen werden verschiedene Schwerpunkte näher beleuchtet. Die Jungen und Mädchen – Zielgruppe sind zunächst vor allem Kinder im Grundschulalter - erfahren beispielsweise, wie Abfall getrennt wird und welche Abfallarten es überhaupt gibt. An der Station „Müllfriedhof“ lernen sie mehr über die teils sehr langen Verrottungszeiten von Abfall. An einem weiteren Halt geht es um die großen Mengen an Abfall, die entstehen. Hier ist auch der spezielle Blick auf die Situation im Kreis Birkenfeld geplant.

Auf dem Deponiegelände soll schließlich am Wendepunkt des Lernpfads als ein zentrales Element des Projekt eine „Gläserne Tonne“ aufgestellt werden. Auf deren vier Seiten mit Sichtfenstern finden sich Infos zur Historie der früheren Deponie „Reibertsbach“, die 1976 in Betrieb genommen worden war und auf der bis zu ihrer Stilllegung ein 75 Meter hoher Berg an Abfall aufgeschichtet wurde. Die geplanten Kosten für die Herstellung der „Gläsernen Tonne“ durch einen Modellbauer liegen bei circa 10.000 Euro. Dieser Auftragsvergabe stimmte der Werksausschuss ebenso zu wie jenem für die Agentur Imago 87, die zum Angebotspreis von 21.300 Euro die Maßnahmenumsetzung für den außerschulischen Lernort erstellt und Vorarbeiten für die geplante App entwickelt.

Werkleiter Holger Schäfer und Carmen Grasmück wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der bei der Verwirklichung des Projekts aus Gründen der Kostenersparnis Teilarbeiten vom AWB selbst vorgenommen werden – zum Beispiel bei der Herstellung der Fundamente an den einzelnen Stationen und bei der Beschaffung und dem Umbau der Abfalltonnen, die dort aufgestellt werden.

Die vorgestellten Pläne stießen im Werksausschuss auf große Zustimmung. Lob dafür äußerten unter anderem Armin Korpus (CDU) und Bruno Zimmer (SPD). Hingewiesen wurde aber darauf, dass bisher am AWZ, das direkt an der Landesstraße 176 liegt, eine Bushaltestelle fehlt und hier noch nach einer Lösung gesucht werden sollte, damit die Schülergruppen möglichst direkt zum Lernort gelangen können.

Noch nicht abschließend geklärt ist der Name des außerschulischen Lernorts. Der AWB ist für Vorschläge offen, wobei im Ausschuss angeregt wurde, dass für die Namensfindung zu einem Ideenwettbewerb in den Schulen aufgerufen werden könnte.

Im weiteren Verlauf der Sitzung stellte AWB-Mitarbeiter Michael Weinß die umfangreichen Maßnahmen vor, die aufgrund der gesetzlichen Regelungen für die Nachsorge der früheren Hausmülldeponie Reibertsbach erforderlich sind. In der Phase der Nachsorge befindet sich die Deponie seit Oktober 2018. An ihrem Fuß befindet sich im Nahetal bei Kronweiler eine Anlage, welche die Sickerwässer aus dem Deponiekörper reinigt.

Die Erneuerung von beschädigten Sickerwasserrohrleitungen ist nur eine von mehreren Investitionsaufwendungen, die der AWB aktuell plant. Weinß stellte auch noch andere geplante Projekte sowie die Betriebsaufwendungen für laufende Maßnahmen sowie Kontrollen vor, die der AWB als Deponiebetreiber vornimmt.

Zur Finanzierung der Stilllegungs- und Nachsorgemaßnahmen muss der AWB Rückstellungen bilden. Der Nachsorgezeitraum beträgt dabei mindestens 30 Jahre – also bis 2048. Allein aufgrund ihrer topgrafischen Lage im Reibertsbachtal und den daraus resultierenden Wasserströmen könne man allerdings nicht davon ausgehen, dass die Deponie schon ab 2048 sich selbst überlassen werden kann. Es sei vielmehr wahrscheinlich, dass auch danach noch Aufwendungen in einem gewissen Umfang erforderlich sein werden, so der Ausblick von Werkleiter Holger Schäfer auf die zukünftige Entwicklung.

Nach aktuellem Stand wird von einem Erfüllungsbeitrag in Höhe von etwa 38,1 Millionen Euro für die Nachsorgerückstellung ausgegangen. Die Rückstellungen und die damit verbundenen Maßnahmen sind aber in regelmäßigen Abständen neu zu beurteilen. Der Werksausschuss billigte den Maßnahmenkatalog zur Fortschreibung der Nachsorgerückstellung mit dem von einer beauftragten Fachfirma neu kalkulierten Erfüllungsbetrag einstimmig. Schon jetzt verfügt der AWB über rund 27 Millionen Euro an liquiden Mitteln, die der Deckung der Nachsorgekosten bis zum Jahr 2048 dienen.       

Bildunterzeile:

Blick auf die frühere Hausmülldeponie „Reibertsbach“: Auf dem Gelände soll noch in diesem Jahr ein außerschulischer Lernort mit mehreren Infostationen eingerichtet werden. Rechts unten ist die Sickerwasserreinigungsanlage im Nahetal bei Kronweiler zu sehen. Am linken Bildrand ist die Ruine der Frauenburg erkennbar. Foto: AWB/Sebastian Caspary