Im Tourismus kommt es auf die Marke an

Veröffentlicht am: 09.03.2018

Tourismus-Veranstaltung-Kirn

In einem inspirierenden Vortrag verdeutlichte Christoph Engl die Bedeutung von Marken im Tourismus.

Nicht aufs Marketing, vielmehr auf die Marke kommt es an. So lautet eine der Botschaften von Dr. Christoph Engl, der den Kreistagsmitgliedern aus Birkenfeld und Bad Kreuznach im Kirner Gesellschaftshaus „Neues Denken im Tourismus“ vermittelte. „Ein inspirierender Vortrag“, fand der Initiator, Landrat Dr. Matthias Schneider. Seine Bad Kreuznacher Kollegin Bettina Dickes appellierte, die vom Geschäftsführer der Nürnberger Markenberatung Brand Trust geforderte Leidenschaft zu wecken, „indem wir sie vorleben“.

Zunächst schilderte der Verfasser des Buchs „Destination Branding – von der Geografie zur Bedeutung“  seine Erfahrungen in seiner Heimat, wo er bis 2013 das System der Dachmarke Südtirol vorangetrieben hatte. Eine Dachmarke funktioniert nur bei einem homogenen Angebot, nicht jedoch bei völlig unterschiedlichen Reisemotiven, verdeutlichte Engl am ungleichen Paar St. Moritz/Engadin.

Ein Urlauber brauche Empfehlungen statt Informationen: „Das Warum ist das neue Wohin!“ Während das Marketing im digitalen Zeitalter nicht mehr die Sache der Anbieter, sondern der Kunden sei, gelte es vorrangig, eine Marke zu erzeugen. Das heißt: das herauszustellen, „was nur ich kann“, wie es der Jurist formulierte. „Durchschnitt kauft niemand, vielfältigen Durchschnitt schon gar nicht“, sagte der gebürtige Bozener. Wer mit etwas werbe, das er nicht hat, scheitere. Ein Hotel, das sein einziges schöne Zimmer bewerbe, enttäusche seine Gäste, die ihre negative Erfahrung in kürzester Zeit via Internet verbreiten.

Zwingend sei also eine Orientierung an Themen statt an Geografie. So könnten für das Naheland etwa Edelsteine, Hildegard von Bingen und Saar-Hunsrück-Steig Kristallisationspunkte sein. Wandern hätten die Menschen als langweilig empfunden – bis die Faszination des Jakobswegs kam. In den heutigen gesättigten Märkten kauften Menschen keine Produkte mehr. „Menschen kaufen Sehnsüchte“, betonte der Experte, der ein markantes Beispiel zeigte. 5,59 Euro kostet ein Kilo Thunfisch naturale, 24,38 Euro – also mehr als das Vierfache – die gleiche Menge Katzenfutter aus Thunfisch: „Sie kaufen damit Liebe zur Katze.“  

Bei allem Lob, das sie der Arbeit der Naheland-Touristik zollte, gab die Bundestagsabgeordnete Antje Lezius zu bedenken: „Sanfte Hügel, schroffe Felsen – dies ist kein Bild, wo ich gerne Urlaub machen möchte.“ Nächster Schritt sei, von der  Darstellung zur Vorstellung zu gelangen und Sehnsüchte zu wecken“, erwiderte Engl. Zu den fünf Säulen des Nahelands (Outdoor, WeinGenuss, EdelStein, Wellness, Kultur) meinte der Referent: „Das sind zu viele – drei müssen genügen.“